Offener Brief an Prof Rainer Mausfeld

Offener Brief an Prof Rainer Mausfeld

Sehr geehrter Professor Mausfeld.

Ich wende mich heute mit diesem Brief an Sie, weil ich mir ein Gespräch mit Ihnen erhoffe. Im Zuge des Gesprächs möchte Ihnen Repeace (und repeace.de) ausführlich vorstellen, um dieses Friedenskonzept einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Ich kann mir gut vorstellen, wie wenig Zeit Sie für Anfragen von unbekannten haben. Doch ich hoffe, dass Sie unter den wenigen Akademikern sind, die für neue Perspektiven offen sind, sie sogar suchen. Ich glaube Sie wissen es zu schätzen, dass einige der moralischen, engagierten Menschen, kreativ oder “raffiniert” genug sind, um aus den Kenntnissen aus Ihren und anderen Referaten, bahnbrechende Produkte der Vorstellungskraft zu liefern. 

Aktivismus, Frieden, Friedensaktivismus... Ein Konflikt der Identitäten.

Aus den USA stammt das Wort “Aktivist.” Dieser Begriff ist eine allgemeine Identifikationsklasse. “Aktivisten” umfasst Occupy Wall Street, Podemos, Corbyn, und jede weitere Bewegung von Personen, die solidarisch zusammen handeln, um ihre empfundene Konflikte anzusprechen, und Lösungen herbeizuführen.

Als Identifikation ist dieser Begriff aus mehreren Hinsichten unpraktisch, unproduktiv geworden. Eine Liste von Synonymen, die von der Hauptpresse oft verwendet werden, um Aktivisten zu beschreiben, zeigt warum dieser Begriff zu einem Haufen ungünstigen Metaphern geworden ist.

Die Machtstrukturen wünschen sich weder Whistleblowers noch organisierte Gruppen, die ihre schmutzige Wäsche lüften. Aktivismus wird ganz konsequent mit möglichst vielen negativen Attributen assoziiert. Negatives Framing, “Framing of Dissent,” ist ein Thema, das wenig Beweise bedarf. Die Studie by Professor Jules Boykoff (Pacific University, Oregon) ist in dieser Hinsicht sicherlich erwähnenswert.

Obwohl ich auch überzeugt bin, dass alle unsere Institutionen dringend radikale Reformen brauchen, identifiziere ich mich weder als Aktivist noch als Revolutionär. Der Politologe Sheldon Wolin meinte auch, dass wir für die Identität “Revolution” wahrscheinlich ein Synonym brauchen, das die Idee einer radikalen Veränderung einfangen würde, die es aber irgendwie schafft, die physischen Begriffe des Umsturzes und der Gewalt zu verwerfen (hier). Und es geht genau um dieses neue Wort für Revolution, wenn das Rätsel.. "wie sich eigentlich diejenigen, die den Frieden lieben, besser organisieren sollten," beantwortet werden soll. Darum geht es jetzt, heute, und morgen.

Damit beschäftigt sich gezielt meine Arbeit, meine Lösungsansätze. Bei den Eliten, wenn ein Konzern ein negatives Image hat, werden ganz übliche re-branding Strategien eingesetzt. Eine Marke und ihr beschädigtes Image werden repariert. Das ist ja keine “Rocket Science,” wie die Amerikaner sagen. Neue, meistens falsche Werte werden ins neue Image integriert. Eine Bank kriegt ein neuer Name und Logo, verschiebt Ihre Geschafte auf die andere Küste, oder wird in der Hierarchie einer Tochtergesellschaft einverleibt, und alles ist vergessen. Die geheim Armee “Blackwater,” zum Beispiel, die in den Bush/Cheney Jahren, fern von jeder Rechenschaft operierte, geriet unter Beschuss von heftiger Kritik. Die Idee sie umzubranden, mit dem Namen “Xe,” war weder raffiniert noch überraschend. 

Auf der anderen Seite, sind die übliche Strategien und Methoden, die die Institution des Aktivismus einsetzt, konservativ, obsolet, ineffizient. Es gibt gar keine Dynamik, keine Anpassungsfähigkeit.

Nun, man könnte ja die gleiche Tricks der Eliten zu unseren Gunsten anwenden. Ausnahmsweise weiss ich gerade wie, wenn ich bitten darf. 

Zurzeit gibt es Proteste, Demos, Petitionen, Initiativen. Das sind unsere Methode, Strategie, unsere endlose Versuche, einen globalen Einspruch zu produzieren, und Macht zurückzuerobern. Sie sind kurzgelebt, üben nur kurzen Widerstand/Druck, und bekommen seitens der Konzernmedien selbstverständlich kein Echo. Ausserdem sind Proteste bereits zu gefährlich geworden: militarisierte Polizeikräfte mit all dem drum und dran warten, wie Armeen, auf die Demonstranten in voller Ausrüstung, mit Wasserkanonen, LRAD Waffen, Gas, Mikrowellen Hitzkanonen, harte Gummi-Patronen, Batons...  Wer schickt denn da seine Kinder an den Davoser Protesten oder an den G20 Gipfeltreffen?

Fazit ist, um die Macht von den Eliten zurückzuerobern, bleiben sie weiterhin erfolglos. Vielleicht, und auch bald mehr zu beobachten, könnten sie sogar nicht mehr erlaubt sein (hier). Etwas Produktives liefern sie, und zwar Argumente an die Konzernmedien, eben, die Demonstranten als "Rebelle," als "Out of touch" mit der Welt framen, oder als "radikalisierte Anarchisten." Sie sehen es sicherlich auch, wie das von Ihnen erwähntes Beispiel der Sperrklinke, auch beim Zudrehen der Meinungsfreiheit, beim Aktivismus, eingesetzt wird. 

Ich frage mich echt, ob Aktivisten und Anführer von grossen Organisationen das wunderschöne und treffendes Zitat Martin Luther King’s nicht verstehen... oder Hilfe mit der Deutung brauchen.

Die Tendenz im Aktivismus scheint die, mehr an Organisationen, Gruppen, mehr Blogs und Communities zu produzieren. Tausende von Redakteure, sicherlich talentiert, klären uns auf über wer “die Drähte zieht,” und wie uns die konservativen Parteien anlügen. In den USA sind es weit über 2 Millionen Organisationen, die versprechen, "uns eine Stimme zu geben" und "für uns zu kämpfen.” 

Wenn das effiziente Organiseren der “Friedensliebenden” darin besteht, mehr vom alten, mehr vom gleichen zu tun, dann soll es uns nicht verwundern, wenn wir in Deutschland bald am gleichen Ort sind, wo sich der U.S. Friedensaktivismus befand, nach den Reaktionen auf die Communities der Antikriegsbwegung seitens den Administrationen von Richard Nixon (1968, hier) und Ronald Reagan (1983, hier).

Wie kann Aktivismus das Image einer effizienten Institution bieten, wenn es selbst auf Individualismus und Diversity beharrt? Wie soll die Zivilgesellschaft so etwas wie Zusammenhalt, neue Wege, neue Alternativen liefern, wenn das Überleben ihrer Mitspielern von gegenseitiger Kompetition abhängig ist ? 

Ist es lobenwert, dass der NGO Sektor in den USA 9.2% der Bevolkerung beschäftigt (30.3 Millionen Menschen) und $3.3 Billionen/Trillions an Vermögenswerte besitzt? Nach den Sektoren Manufacturing und Retail, ist NonProfit die Drittgrosste Industrie.

Trotz Ausnahmen, ist dies eine bewusste Kapitulation, denn Menschen, die auf eine dringende Kooperation angewiesen sind, jedoch in Selbstinteresse, Individueller Freiheit und Individualismus gefangen sind, operieren im Widerspruch. Die Bedingungen für eine Evolution sind so einfach nicht gegeben. Denn gerade hier und jetzt müssen alle unmittelbar begreifen, dass die Eliten zu einer Schwarmintelligenz fähig sind, und der Rest von uns nicht. 

Über meinen Ansatz und meine Recherche, meine Perspektive, meine kleine Erfolge, versuche ich mich seit 5 Jahren im U.S. Raum des Aktivismus zu vernetzen, meine Argumente auf den Tisch zu legen. Seit einem Jahr tue ich es auch im DE Raum. Ich habe schon genügend Leute gerührt, dass ich glaube, die nötige Kompetenz zu haben, vom breiteren Publikum gehört zu werden. Ich habe aber keine Bücher geschrieben. Irgendwie scheint das so wichtig zu sein. Ich bin verwirrt.

Ich kam auch trotzdem mit Errungenschaften weiter, wie: 

  • Akademischen Empfehlungen aus den USA, 
  • Die Anfrage von Isländischen Parlamentarier, Repeace für Island zu bauen, 
  • hunderte, gewöhnliche Aktivisten und Kontakte aus der ganzen Welt (und 19 Internationale Facebook Communities) 
  • und 8 Jahren unendliches, leidenschaftliches Opfer aus Liebe zur Menschheit, ohne Einkommen. Das muss doch was Wert sein.

Wenn sich Edward Bernays so eine bizzarre Metapher wie "Zigaretten sind Facklen Der Freiheit" durchdachte, um 50% des Rauchermarktes zu gewinnen.. wie schwierig kann es uns sein, durch "Imagine Responsibility" und "Frieden ist die Abwesenheiit von Angst" alle Aktivisten zu einer unvorhersehbaren, globalen Solidarität zu verhelfen, und gegen die Arroganz des 1% anzutreten ?

Mit freundlichen Grüssen

(Hr.) Andrea Tosi

 

Zu meiner Person:

Mein Name ist Andrea Tosi (Hr.). Ich bin ein schweizer Sozialpsychologe (Universität Zurich) aus Lugano, und ehemaliger Resident von San Francisco. Zu meiner Ausbildung zählt auch ein Bachelor in Kunst (Graphic Design und Corporate Identity). Zu meinen Kompetenzen zählen 20 Jahren Recherche und Soziales Engagement in den USA (“Aktivismus”). Ich bin der Initiator des unkonventionellen Friedenansatzes www.repeace.com. Seit 2016 ist diese internationale Vision und Strategie auch im deutschsprachigem Raum zu finden (hier für DE,OE,CH). 

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